„Sparschweinereien“ oder lieber Gemeinwohlbank?

Es hätte hier ein Nachdenken stattfinden sollen über die im alten Rom gebräuchliche Redewendung ‚pecunia non olet‘ (Geld stinkt nicht) und ihre etwaige Anwendbarkeit auf heutige Verhältnisse in der Finanzwirtschaft und ob Geld nicht eventuell doch mit üblem Geruch behaftet ist, wenn es auf Basis übler oder übel ausgeführter Geschäfte erwirtschaftet wird. Doch dann mischte sich Erich Fried ziemlich prägnant aus dem Gedichtband ‚Es ist was es ist‘ ein. Wir lassen ihn, dem auch die Überschrift teilweise zu verdanken ist, zu Wort kommen und halten das eigene zurück:

Vom Sparen

Eine uralte Art des Sparens
ist das Sparschwein

Von den Sparschweinen
kommt vielleicht das Wort Sparschweinereien

Denn oft muß gespart werden
für eine Schweinerei

Auf die werden dann
die Ersparnisse verwendet

Je tödlicher die Schweinerei
desto lebhafter muß gespart sein

Je mörderischer
desto mörderischer das Sparen

Für jede Rakete zum Beispiel
muß sehr viel gespart sein

Da muß man jetzt sparen
damit einem dann nichts erspart bleibt

Wenn die Rechnung oben nicht stimmt
heißt es unten Sparen

Denn die Sparschweinereien
werden fast immer verfügt

von fetten Schweinen
auf Kosten der armen Schweine

(Erich Fried, Vom Sparen; Schreibweise und Interpunktion gemäß Gedichtband 'Es ist was es ist', Neuausgabe 1996)

Gemeinwohlbank

Was macht nun jener Mensch, der sein redlich verdientes Geld weder einem Sparschwein anvertrauen noch in eine Rakete oder andere „Sparschweinereien“ investieren möchte?

Sich an einer Gemeinwohlbank beteiligen, könnte eine Alternative sein. In Österreich ist eine solche im Werden, eine Bank, hinter der BürgerInnen stehen und die gesellschaftliche Verantwortung in den Mittelpunkt des Handelns stellt. Die nach Eigendefinition „erste ethische Alternativbank Österreichs – Eine Bank, die den Menschen dient und nicht umgekehrt“ ist in der Gründungsphase, derzeit als Projekt Bank für Gemeinwohl. Eine seit 2014 bestehende freie Genossenschaft, die BfG Eigentümer/-innen- und Verwaltungsgenossenschaft eG, soll Eigentümerin dieser Bank sein. An der Genossenschaft kann man sich mit Anteilen ab 200,– Euro beteiligen. 2016 soll mit dem Banklizenzierungsprozess bei der Finanzmarktaufsicht gestartet werden, in etwa einem Jahr wird die Bank ihre Geschäftstätigkeit aufnehmen, so der Plan laut website www.mitgruenden.at, die mit ausführlichen Informationen über das Projekt aufwartet und Beteiligungsmöglichkeiten – von Mitarbeit bis Mitgründen – aufzeigt.

Links

Projekt Bank für Gemeinwohl

Erich Fried – wikipedia

Pecunia non olet

Und was hat es nun mit der römischen Redewendung auf sich? Laut wikipedia geht die Geschichte so:

Um die leeren Staatskassen zu füllen, erhob Kaiser Vespasian auf diese öffentlichen Toiletten eine spezielle Latrinensteuer. Sueton überliefert, dass Vespasian die Steuer vor seinem Sohn Titus rechtfertigte, indem er ihm Geld aus den ersten Einnahmen unter die Nase gehalten und gefragt habe, ob der Geruch ihn störe (sciscitans num odore offenderetur). Als dieser verneinte, habe Vespasian gesagt: Atqui e lotio est („Und doch ist es vom Urin“). Im Laufe der Zeit wurde daraus die Redewendung Pecunia non olet, „Geld stinkt nicht“.

wikipedia

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