1-sicht empfiehlt Lese-, Hör-, Sehstoff: Mai 2017

Lesestoff:
Mario Vargas Llosa: Das Fest des Ziegenbocks

Wie es sich anfühlt, von einem ’starken Mann‘ regiert zu werden, erzählt Mario Vargas Llosa in ‚Das Fest des Ziegenbocks‘.

Quelle: Suhrkamp Verlag
Der Roman setzt 1961 an, da war Rafael Trujillo, unter anderem genannt Ziegenbock, bereits 31 Jahre Diktator der Dominikanischen Republik. Neben ihm und seinen Familienmitgliedern sind zahlreiche weitere Hauptcharaktere des Romans aus dem Leben gegriffen.

Die Originalausgabe erschien 2000: La Fiesta del Chivo. 2005 wurde die Geschichte mit Isabella Rossellini und Paul Freemann verfilmt.

Quellen und links

Suhrkamp Verlag

Mario Vargas Llosa erhielt 2010 den Nobelpreis für Literatur. Seine Nobelpreisrede sei hiermit ebenfalls als Lesestoff empfohlen.

Das Fest des Ziegenbocks – wikipedia

Mario Vargas Llosa – wikipedia

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Der Kampf zwischen Globalismus und Nationalismus

Jene Kräfte, die den Nationalismus im Westen zu einer Krise werden ließen, globalisieren sich. So lautet Ian Bremmers Befund im Magazin Time vom 22. Mai 2017 (‚The wave to come‘). Die Wahlergebnisse der jüngeren Vergangenheit – der pro-europäische Emmanuel Macron wird im April in Frankreich zum Präsidenten gewählt, bei den Wahlen in den Niederlanden im März bleibt entgegen den Vorwahlprognosen „der Triumph des Rechtspopulisten Geert Wilders aus“ (www.uni-muenster.de) – sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Krieg zwischen Globalismus und Nationalismus gerade begonnen hat.

Man blicke auf Ungarn und Polen, die zunehmend illiberal werden. Die Brexit-Verhandlungen schicken sich an, übel zu werden. Anti-EU-Haltungen innerhalb Europas nehmen zu. Trumps Affinität zu autoritären Führern wie Türkeis Recep Tayyip Erdogan, Ägyptens Abdul Fattah al-Sisi und Rodrigo Duertes von den Philippinen seien Zeichen von Umbrüchen.

Ursachen für Nationalismus

Der Nationalismus, so Bremmer, ist lebendig, weil die Probleme, die ihn hervorbrachten, ungelöst sind. Eine wachsende Anzahl an Menschen in den reichsten Ländern der Welt fürchtet, dass die Globalisierung ausschließlich dem Wohl der Elite dient, der Nationen und Grenzen einerlei sind. Wie die Finanzkrise sich von Europa ausgehend auf die ganz Welt ausbreitete, werde dies auch der Nationalismus tun. Mit unvorhersehbaren Folgen in Staaten, in denen die Regierungen schlechter gerüstet sind, die Institutionen schwächer sind, als jene in den europäischen Staaten und der USA.

Das Aufkommen einer Mittelschicht ist eine Errungenschaft der Geschichte. Milliarden Menschen konnten Armut hinter sich lassen und erhielten Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung. Doch noch gilt das nicht für alle Menschen. Die Zurückgelassenen sehen zunehmend deutlich, was ihnen entgeht, und sind zur Migration bereit. Die Mittelschicht in der westlichen Welt ist durch Auslagerung von Produktionsstätten und technologischen Veränderungen der Arbeitswelt vom Rückfall in die Armut bedroht. Zugleich ist sie mit Zuwanderern aus fernen, fremden Weltgegenden mit anderen ethischen und religiösen Vorstellungen, anderen Sprachen, anderem Aussehen konfrontiert. Das fügt der Angst vor Wohlstandsverlust die Angst vor Identitätsverlust hinzu.

Ungleichheit innerhalb einer Gesellschaft wird mit dem Gini-Koeffizient gemessen. In China, Brasilien, Mexiko und Saudi Arabien ist er hoch, die Ungleichheit also groß. Was mag zum Beispiel in Saudi Arabien mit seiner stark wachsenden Bevölkerung und seiner großen Zahl junger Menschen geschehen, wenn zunehmende Bevölkerungsanteile vom Wohlstand ausgeschlossen bleiben?

nationalistische Lösungsansätze

Im Westen setzen nationalistische PolitikerInnen auf das (vermeintliche) Versprechen, ‚das Volk‘ gegen die ‚rücksichtslosen Eliten‘, gegen ‚die Fremden‘ zu schützen. Sie zeichnen das Bild vom ‚Wir‘ gegen ‚Die‘. Anderswo taugen zum ‚Die‘ auch andere Länder, was rasch in einen militärischen Konflikt ausarten kann.

Als Lösung wird das Bauen von Mauern – tatsächlichen wie strukturellen – angepriesen:

In China beispielsweise, wird an einem Modell gearbeitet, Gutpunkte für ökonomisches und soziales Wohlverhalten zu vergeben. Ziel: die Entwicklung einer ‚harmonischen Gesellschaft‘ .

In Indien hat die Regierung biometrische Daten von über 900 Millionen BürgerInnen für ihr ’nationales Identitätsprogramm‘ gesammelt.

alternative Lösungsansätze

In Finnland erhalten testweise 2000 Arbeitslose ein Grundeinkommen von netto ca. 600 US-Dollar (rund 530 Euro). Sollten die EmpfängerInnen Arbeit finden, dürfen sie weiterhin Grundeinkommen beziehen. Dem Experiment liegt folgende Annahme zugrunde,

  • zukünftige Arbeitsformen werden zunehmend auf Teilzeit- oder selbstständiger Basis sein
  • ein Grundeinkommen erhöht die Bereitschaft , sich auf Teilzeit oder Selbstständigkeit einzulassen
  • die für den Transfer von Sozialleistungen bisher nötige Bürokratie kann reduziert werden.

In Kanada, Niederlanden, Schottland und Oakland/Kalifornien planen lokale Regierungen ähnliche Experimente.

Singapurs Regierung schuf ein individuelles Lern-Konto, um jede Bürgerin, jeden Bürger über 25 mit Finanzmitteln für Ausbildung zu versorgen.

Bremmers Appell: Mit den Ursachen für Populismus umzugehen ist eine ähnlich große Herausforderung, wie die Ursachen des Klimawandels in Griff zu bekommen. Beiden Herausforderungen muss man sich stellen. Andernfalls überhitzt die Welt und nehmen die Spannungen zu. Und diesbezüglich sitzen wir alle im selben Boot.

Quellen und links

TIME, 22. Mai 2017, Artikel ‚The wave to come‘

TIME online

Uni Münster

Gini-Koeffizient auf wikipedia

zu Populismus auf 1-sicht:

Das Desktruktive in der Normalität

Populisten und ihr demagogisches Panorama

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Internationale Waffentransfers – höchster Anstieg seit 1990

Das schwedische Institut SIPRI – Stockholm International Peace Research Institute – stellte in seinem diesjährigen Bericht über internationale Waffentransfers einen weltweiten Anstieg fest, den höchsten seit 1990. In den Jahren 2012-2016 war das Transfervolumen um 8,4 % höher als 2011-2015.

Die 5 größten Exporteure mit insgesamt 74% des Exportvolumens sind in den Jahren 2012-2016 in folgender Reihenfolge:

  • USA
  • Russland
  • China
  • Frankreich
  • Deutschland

Die fünf größten Importeure mit insgesamt 34% des Importvolumens sind in den Jahren 2012-2016 in folgender Reihenfolge

  • Indien
  • Saudi Arabien
  • Vereinigte Arabische Emirate
  • China
  • Algerien
Trends in international arms transfers 2012-16
Internationale Waffentransfers; Quelle: SIPRI

Exporteure von Waffen

57 Staaten exportierten im Zeitraum 2012-2016 Waffen. Größte Waffenexporteure waren die USA, verantwortlich für 33% aller Exporte in dem Zeitraum. Sie belieferten 103 Empfänger. Russland war in dem Zeitraum mit 23% zweitgrößter Exporteur und belieferte 51 Empfänger, wobei 70% seiner Exporte an Indien, Vietnam, China und Algerien gehen. Der drittgrößte Exporteur, China, steigerte seinen Anteil um 74% in 2012-2016 verglichen und überholte die Staaten Deutschland, Frankreich und Großbritannien.

The 20 largest major arms exporters 2012-16

Die 20 größten Waffenexporteure 2012-2016; Quelle: SIPRI

 

Die 5 größten Waffenexporteure in 2012-2016 und ihre Empfänger; Quelle: SIPRI

Importeure von Waffen

155 Staaten importierten große Waffen und Waffensysteme. Von diesen liegen 43% in Asien&Ozeanien, 29% im Mittleren Osten. Indien ist der weltweit größte Waffenimporteur und steigerte seinen Anteil von 9.7% auf 12,8% in 2012-2016. Saudi Arabien arbeitete sich vom 11. Platz (2,9%) auf den 2. Platz mit einem Anteil von 8,2% vor. Auch 6 Rebellengruppen identifizierte SIPRI als Waffenempfänger. Zwar gehen auf ihr Konto nur 0,02% am gesamten Transfervolumen, jedoch spielen sie eine erhebliche Rolle in regionalen Konflikten (zB in der Ostukraine, Syrien, Israel/Palestina).

The 20 largest importers of major arms 2012-16
Die 20 größten Waffenimporteure 2012-2016; Quelle: SIPRI
Die 5 größten Waffenimporteure 2012-2016 und ihre Lieferanten; Quelle: SIPRI

Stockholm International Peace Research Institute – SIPRI

SIPRI misst das Volumen der Waffentransfers – basierend auf Daten und Schätzungen – am Produktionswert, nicht am Handelswert. Es geht um den militärischen Wert, nicht um den Geldwert der Transfers. Ermittelt wird der TIV (trend-indicator value), der einen Vergleich und das Abschätzen von Trends über Jahre und Jahrzehnte ermöglichen soll. Gebrauchte Waffen werden mit Abschlägen kalkuliert. Einberechnet werden neben dem Wert von physischen Ein-/Verkäufen der Transfer von Technologie und die Übertragung von Lizenzen, die den Empfängern die Produktion und den Zusammenbau von Waffen erlauben. Nicht einberechnet hingegen werden Waffen für zB Personenschutz sowie der Transfer gestohlener Waffen.

SIPRI, gegründet 1966, verfügt nach eigenen Angaben über Daten  seit 1950.

Quellen und links

SIPRI

Factsheet SIPRI Waffenimporte und -exporte 2012-2016

Über Waffentransfers auf 1-sicht

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