Klimaanlagen-Dilemma: sie kühlen uns und heizen das Weltklima an

Lang anhaltende Hitze und Trockenheit machen Mitteleuropa im Sommer 2018 zu schaffen. Von Ernteausfällen, Getreideknappheit und Futterengpässen für die Tiere wird berichtet und davor gewarnt, dass die große Hitze für obdachlose Menschen genauso gefährlich ist wie Winterkälte, da sie keine Möglichkeiten zur Kühlung und Regeneration haben. TIME berichtet in der Ausgabe vom 30. Juli 2018 von schmelzenden Straßen in Großbritannien, von Hitzerekorden von rund 40 Grad Celsius in Kalifornien und von über 70 Hitzetoten in Quebec/Kanada. Doch möglicherweise ist dieser Sommer Vorbote für zukünftige. „Wir erleben einen Hitzesommer, wie er bald zur Norm werden könnte“, mutmaßt beispielsweise Christian Speicher in der NZZ vom 4.8.2018. Was bedeutet das für die Menschen?

Die Organisation Sustainable Energy for All, die mit UN und Weltbank in Verbindung steht, geht davon aus, dass 1, 1 Milliarden Menschen weltweit keine Möglichkeit zu adäquater Kühlung haben. Die Internationale Energie Agentur (IEA) zeigt in einer Analyse vom Mai, dass nur 8% der Menschen in den heißesten Regionen der Erde über Klimaanlagen verfügen, hingegen über 90% der Menschen in den USA und Japan.

Klimaanlagen – vom Luxus zur Notwendigkeit

Große Hitze belastet den Körper und kann in extremen Fällen zu Organversagen führen. Die Zahl der Personen, die aufgrund von Hitze sterben, kann gemäß Weltgesundheitsorganisation (WHO) in 2050 über 250.000 betragen. Und Sustainable Energy for All geht davon aus, dass die Produktivität sinken wird, in besonders heißen Regionen wie Teilen Asiens und Afrikas um bis zu 12%. Dazu kommt, dass mangelnde Kühlmöglichkeiten die Ernährungssicherheit gefährdet und die Aufbewahrung von Medikamenten erschwert.

Kühlung durch Klimaanlagen wird in immer mehr Regionen der Welt vom Luxus zur Überlebensnotwendigkeit. Die wachsende Mittelschicht in den sogenannten Entwicklungsländern investiert in Klimananlagen. Für Personen, die diese Möglichkeit nicht haben, werden seitens der Regierung Einrichtungen zur Verfügung gestellt, in denen man sich abkühlen und regenerieren kann.

Klimaanlagen forcieren Klimaerwärmung

Dumm nur, dass der Betrieb der Klimaanlagen sehr energieintensiv ist. Insbesondere in Entwicklungsländern, wo Energie hauptsächlich aus fossilen Quellen genutzt wird, tragen Klimaanlagen massiv zur Klimaerwärmung bei. IEA schätzt, dass im Jahr 2050 die Kühlung von Räumen soviel Energie verbrauchen wird, wie aktuell China für seine komplette Elektrizität. Kühlung ist, laut UN-Umweltprogramm, wahrscheinlich für den größten Anteil des Energieverbrauchs verantwortlich.

Abgesehen davon geben Klimaanlagen klimaschädliche Fluorkohlenwasserstoffe ab. Bis zum Ende dieses Jahrzehntes könnten allein die Emissionen die Erderwärmung um 0,3 Grad Celsius anheizen, sagen Wissenschafter voraus. Das wäre ein beträchtlicher Anstieg im Hinblick auf das Klimaziel, auf das sich die Weltgemeinschaft auf der Klimakonferenz in Paris in 2015 verständigt hat: Begrenzung der globalen Erwärmung auf deutlich unter 2 °C, möglichst 1,5 °C im Vergleich zu vorindustriellen Levels. Das Kigali Cooling Efficiency Programm sieht daher auch vor, Klimaanlagen ohne Fluorkohlenwasserstoffe zu entwickeln. 197 Nationen verpflichteten sich zur Reduktion dieser Treibhausgase in Kühlgeräten und Klimaanlagen von über 80% in den kommenden 30 Jahren.

Quellen und links

ohne Klimaanlagen lesen ist schön
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Demokratie wird sich durchsetzen.

Gemäß dem jährlichen Demokratieindex, erfasst von der Economist Intelligence Unit, war 2017 das schlechteste Jahr für die Demokratie seit der globalen Finanzkrise in 2010. Die Organisation Freedom House stellt fest, dass der Anteil der Weltbevölkerung, der in Demokratien lebt, von 46% im Jahr 2006 auf 39% in 2018 zurück gegangen ist. Eine von drei Personen lebt in autoritären Regimen, viele weitere erleben einen Rückgang ihrer demokratischen Freiheiten, unter anderem in Venezuela, Bolivien und Nicaragua, in der Türkei, in Ungarn und Polen sowie auf den Philippinen.

Demokratie
Demokratieindex, Quelle: wikipedia

Vollständige Demokratien: 9–10; 8–8,99
Unvollständige Demokratien: 7–7,99; 6–6,99
Hybridregime (Mischformen): 5–5,99; 4–4,99
Autoritäre Regime: 3–3,99; 2–2,99; 0–1,99
Keine Daten: alle übrigen Länder

Galten im vorigen Jahrhundert die kommunistischen Regime als Feinde des demokratischen Prinzips, so ist es jetzt der Aufstieg der starken Männer, die Macht zentralisieren und die Opposition niederschlagen, wie es beispielsweise die Tendenz in den beiden großen Nationen Russland und China ist.

Und in den USA regiert ein Präsident, der mit jenem Russlands flirtet und von der absoluten Macht des chinesischen Führers schwärmt.

Die Hintergründe dieser Entwicklung und warum die Demokratie trotzdem die Oberhand gewinnen wird, diskutiert James Stavridis, ehemaliger Supreme Allied Commander Europe der NATO, in seinem Beitrag ‚Democracy will prevail‘ im Magazin TIME vom 23. Juli 2018.

Die Sehnsucht nach Ordnung ist eine mächtige Kraft

Stavridis nennt 3 zentrale Gründe dafür, warum die demokratische Regierungsform aktuell scheinbar im Hintertreffen ist.

  1. Demokratie ist ineffizient. Demokratische Entscheidungsfindungsprozesse brauchen ihre Zeit. Je komplexer die globale Gesellschaft, desto mehr. Neue Herausforderungen, wie Massenmigration über alle Kontinente, transnationale Kriminalität, internationale ökonomische Umbrüche erwecken Unsicherheit und stärken den Wunsch nach starker Ordnung.
  2. Die Zweischneidigkeit der neuen Technologien und ihrer Anwendungen wie zum Beispiel die sogenannten sozialen Netzwerke. Sie haben einerseits demokratische Revolutionen ermöglicht. Andererseits werden sie am effektivsten von Diktatoren aller Kontinente genutzt, um ihre Bürger/innen zu bespitzeln und falsche ‚Fakten‘ zu verbreiten.
  3. Die hohe Geschwindigkeit der Veränderung verursacht Desorientierung. Das öffnet Raum für die Herangehensweisen autoritärer Systeme: rasche Antworten, einfache Lösungen für komplexe Situationen.

Autoritäre Prinzipien widersprechen der menschlichen Natur

Neben den Tendenzen zu starken Männern und autoritären Strukturen sieht Stavridis positive Entwicklungen hin zu – wenn auch nicht perfekten so doch widerstandsfähigen – demokratischen Gesellschaften.

Indien mit über 550 Millionen Wähler(inne)n kann trotz Terroristenangriffen, ökonomischer Schwierigkeiten und anderer massiver Herausforderungen auf Dekaden der relativen Stabilität und des Wachstums blicken. Zwar ist das demokratische System Indiens nicht makellos und der Ministerpräsident starker Kritik ausgesetzt, die demokratischen Institutionen zu untergraben. Doch ist  von vielen hochrangigen Offiziellen und sogar von militärischen Führern ein uneingeschränktes Bekenntnis zur Demokratie zu hören.

Kolumbien, jahrzehntelang unter dem Drogenkrieg leidend und von daher nicht unanfällig für autoritäres Durchgreifen, ist seit Mitte der 1960er Jahre demokratisch organisiert. Die Macht wird alle zwei Jahre durch Wahlen neu vergeben.

Brasilien mit 200 Millionen Bürgerinnen und Bürger, von 1964 bis 1985 vom Militär regiert, ist trotz beträchtlicher politischer Unruhen nicht zur Autokratie zurück gekehrt.

Tunesien konnte seine Revolution aus 2011 retten und entwickelt seither – nach 23 Jahren Diktatur – seine demokratischen Strukturen.

Und die meisten der hochentwickelten Nationen sind starke Demokratien. Stavridis nennt Japan, Canada, Frankreich, Australien, Deutschland. Den ökonomischen Aufschwung Chinas in jüngerer Zeit hält er für das Ergebnis des Nachahmens und Stehlens geistigen Eigentums, was an Grenzen stoßen wird. Liberale Demokratien schaffen die dauerhafteren Lösungen und sind anpassungsfähiger an unterschiedliche Kulturen und Zeiten.

Demokratie – die schlechteste aller Regierungsformen. Außer allen anderen.

Demokratische Regierungsformen sind weder gegeben noch sind sie perfekt. Wir müssen stets  um sie kämpfen, an ihnen arbeiten, sie anpassen, verbessern. Wie Winston Churchill sagte: Die Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen. Abgesehen von allen anderen.

Wie stärken wir Demokratien? Stavridis sieht folgende Notwendigkeiten:

  1. Frauen fördern. Länder mit einem hohen Niveau an Geschlechtergerechtigkeit  neigen laut Weltbank in höherem Ausmaß dazu, Konflikte friedlich zu lösen. Vereinbarungen, an denen Frauen und Zivilorganisationen mitgewirkt haben, haben 64% größere Erfolgsaussichten, laut einer UN-unterstützten Studie.
  2. Wirtschaftliche Ungleichheit reduzieren.
  3. Den Kindern kritisches Denken beibringen, sodass sie in der Lage sind, Wahrheit und Lüge voneinander zu unterscheiden.
  4. Jene, die die Demokratie verteidigen, dürfen nicht müde werden, klar zu machen, warum das wichtig ist und was auf dem Spiel steht. Sie müssen ihre Vision, auch wenn sie (noch) nicht perfekt gelebt wird, artikulieren und von ihrer Richtigkeit überzeugen.

Quellen und links

TIME

Demokratieindex, wikipedia

Freedom house

James G. Stavridis, wikipedia

Populismus gefährdet die Demokratie, 1-sicht

über Demokratie lesen
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1-sicht empfiehlt Lese-, Hör-, Sehstoff: Juli 2018

Lesestoff:
Maneks Listen
Niko Hofinger

Ein Name, ein Geburtsdatum, zwei Sterbedaten – wie viele Personen? Der Historiker Niko Hofinger erzählt in seinem 2018 erschienenen Roman ‚Maneks Listen‘ die ungewöhnliche – oder auch nicht – Lebensgeschichte eines jüdischen Mannes im Europa des 20. Jahrhunderts. Der Roman basiert auf dem von Flucht und Vertreibung geprägten Leben des Präsidenten der Innsbrucker Kultusgemeinde, Ernst Beschinsky, verstorben 1987. Mit überraschend viel Witz werden dessen gewitzte Überlebensstrategien ausgerollt.

Maneks Listen, Niko Hofinger
Limbus Verlag

Quellen und links

Der Mann, der zweimal starb, Tiroler Tageszeitung, 6.3.2018

Prof. Ernst Beschinsky, Hohenems Genealogie

You only die twice, Dokumentarfilm

Maneks Listen lesen
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Kobalt: Ausbeutung des Kongo und internationale Korruption

Kongo, ein an Bodenschätzen reiches, dennoch bitterarmes zentralafrikanisches Land wird zwischen 2010 und 2012 um 1,36 Milliarden Dollar geprellt. Glencore, die weltweit grösste im Rohstoffhandel tätige Unternehmensgruppe mit operativem Hauptsitz in der Schweiz, verliert an einem Tag des Jahres 2018 4,3 Milliarden Dollar an Aktienwert. Was hat das Eine mit dem Anderen zu tun? Die Antwort: Kobalt. Und Dan Gertler.

Glencore arbeitet mit Dan Gertler, einem durch Diamantenhandel in sehr jungen Jahren sehr reich gewordenen Mann zusammen, der samt seinen Firmen von den USA auf eine Sanktionsliste gesetzt wurde, was der öffentlichen Brandmarkung als Parasit gleichkommt. Daher nimmt das US-Justizministerium die Geschäftsgebarung von Glencore unter die Lupe, was im Juli 2018 zum Absturz der Unternehmensaktie führt.

Glencore betreibt im Kongo Bergbauanlagen im Wert von 10 Milliarden Dollar. Das Unternehmen ist dort einer der größten Produzenten von Kobalt, das für Batterien von Handys und Elektromotoren benötigt wird. Dan Gertler ist einer der Miteigentümer von Glencore und enger Freund von Joseph Kabila, Präsident des Kongo.

Gertler fungiert als Mittelsmann beim Verkauf von Bergbauanlagen, die er gerne auch an mit ihm verbundene Offshore-Gesellschaften verkauft. Und das zu billig. So entgingen nach Schätzungen der NGO Africa Progress Panel dem Staat Kongo in den Jahren 2010 bis 2012 1,36 Milliarden Dollar.

Kabila, Gertler, Glencore

Bereits 1997 knüpfte Gertler Kontakte zum Kabila-Clan und bot 20 Millionen Dollar für ein Diamantenexportmonopol an. Auch dürfte er israelische Waffentechnik vermittelt haben. Für 2001 und 2002 verzeichnet das israelische Verteidigungsministerium den Verkauf leichter Waffen im Wert von 700 000 Dollar an den Kongo.

2009 räumte Glencore Gertler einen Kredit in der Höhe von 45 Millionen Dollar ein.

Als 2017 in den USA Dokumente über Schmiergeldzahlungen von mehr als 100 Millionen Dollar von Gertler an Kabila auftauchten, kaufte Glencore Gertler für 534 Millionen Dollar aus. Glencore stoppte auch die Zahlungen von Bergbau-Lizenzgebühren an Gertler, als dieser auf die US-Sanktionsliste gesetzt wurde, nahm die Zahlungen allerdings im Juni 2017 wieder auf – diesmal in Euro, nicht in Dollar.

Glencores Standpunkt: Zahlt Glencore nicht, würde Gertler noch viel mehr profitieren. Denn Vertraute Kabilas hätten Vermögenswerte des Unternehmens beschlagnahmen lassen und verlangen Kompensationzahlungen in Milliardenhöhe.

Kobalt, China, Elektromobilität

Kobalt ist von strategischer Bedeutung für Europas und Amerikas Elektromobilität. Glencore-Boss Ivan Glasenberg: „Falls Kobalt in die Hände der Chinesen fällt, ja, dann werden Sie keine Elektroautos sehen, die in Europa produziert werden.“ Und falls Glencores Minen im Kongo, in denen Kupfer und Kobalt gefördert werden – enteignet würden, fielen diese in die Hände der bereits dominanten Chinesen. (FAZ, 28.4.2018)

Für batteriebetriebene Autos brauchen wir Kobalt in riesigen Mengen. Der Preis pro Tonne Kobalt stieg von rund 20 000 Dollar (2016) auf rund 90 000 Dollar (2018) an. Zu über 60% stammt dieser Rohstoff aus dem Kongo. Dort wird er teils im industriellen Maßstab, teils im Kleinbergbau und nicht selten von Kinderhand abgebaut. Die Raffinerie findet zu 70 bis 80% in China statt. China baut zudem zielstrebig die Kontrolle über das unveredelte Kobalt aus. Glencores großer Konkurrent im Kongo: China Molybdenum.

Kobalt: Minen im Kongo
Quelle: NZZ

Kobalt, Krieg, Korruption

Eine der von Glencore beherrschten Minen ist Katanga Mining. In deren Geschäftsbericht sind unter anderem folgende Risikofaktoren angeführt:

  • Krieg
  • zivile Unruhen
  • militärische Repression
  • Geiselnahme
  • Korruption
  • Annullierung von Bewilligungen oder Enteignungen.

Während das US-Justizdepartment, Großbritanniens Serious Fraud Office und mittlerweile – basierend auf einer Strafanzeige der NGO Public Eye – auch die Schweizer Bundesanwaltschaft Untersuchungen bei Glencore eingeleitet haben, hält Gertler sich als nobelpreiswürdig für seine Entwicklungshilfe im Kongo.

Rohstoff-Abbau in reiner Handarbeit. Der Unterschied zwischen Kleinbergbau und industriell betriebener Förderung ist frappant. (Kolwezi, 24. Februar 2018/William Clowes, Bloomberg)
Quelle: NZZ

Quellen und links

Ein israelischer Milliardär bringt Glencore in Teufelsküche, Markus Städeli, NZZ 7.7.2018

Kobalt ist die Achillesferse der schönen neuen E-Mobilität, Markus Städeli, NZZ 28.4.2018

über die Demokratische Republik Kongo: wikipedia

über Glencore: wikipedia

Mein smartphone, der Kongo und der Meeresgrund: eine 1-Sicht

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fürs Lesen braucht man kein Kobalt
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über 14 000 Nuklearwaffen in 9 Staaten – SIPRI Jahrbuch 2018

Am Beginn des Jahres 2018 besaßen 9 Staaten geschätzt 14 456 Nuklearwaffen. Das bedeutet einen leichten Rückgang seit Anfang 2017 (14 935). Die 9 Staaten sind: USA, Russland, Vereinigtes Königreich, Frankreich, China, Indien, Pakistan, Israel, die Demokratische Volksrepublik Korea (Nordkorea).  SIPRI (Stockholm International Peace Research Institute) veröffentlichte diese Zahlen Mitte Juni 2018 im SIPRI Jahrbuch 2018 und in einer Presseinformation.

Der Rückgang geht laut SIPRI hauptsächlich auf USA und Russland und ihren 2010 geschlossenen Vertrag zu Reduktion und Limitierung von Angriffswaffen (Treaty on Measures for the Further Reduction and Limitation of Strategic Offensive Arms – New START) zurück.  Die beiden Länder besitzen zusammen rund 92 Prozent aller Nuklearwaffen. Und beide Länder arbeiten an der langfristigen Modernisierung ihrer Nuklearwaffen, Raketen und Produktionsstätten für Nuklearwaffen. Im aktuellen Nuclear Posture Review (NPR, February 2018) bestätigt USA die Modernisierungsstrategie, deren Ziel es ist, Nuklear- und Nicht-Nuklearangriffe abzuwehren bzw. zu vereiteln.

Die übrigen Nuklearstaaten verfügen über eine deutlich geringere Anzahl an Nuklearwaffensystemen. Aber alle entwickeln neue Systeme oder haben die Absicht bekundet, dies zu tun. Indien und Pakistan erweitern ihr Arsenal an Nuklearwaffen und Raketensystemen. China setzt die Modernisierung und das langsame Erweitern seines Nukleararsenals fort. Nordkorea machte 2017 technische Fortschritte bei der Entwicklung seines nuklearen Leistungsvermögens.

Die nukleare Abrüstung, die 2017 im internationalen Vertrag zum Verbot von Nuklearwaffen als internationales Interesse festgehalten wurde, hält SIPRI-Forscher Shannon Kile für ein fernes Ziel.

Nuklearwaffen, Jänner 2018, Quelle: SIPRI Jahrbuch 2018

Country Deployed Warheads* Other warheads** Total 2018 Total 2017
USA 1 750 4 700 6 450 6 800
Russia 1 600 5 250 6 850 7 000
UK 120 95 215 215
France 280 20 300 300
China 280 280 270
India 130-140 130-140 120-130
Pakistan 140-150 140-150 130-140
Israel 80 80 80
North Korea .. .. (10-20) (10-20)
Total 3 750 10 715 14 465 14 935
* ‘Deployed warheads’: Gefechtsköpfe auf Raketen oder bei Streitkräften 

** ‘Other warheads’: Gefechtsköpfe, die nicht im Einsatz sind, zur Reserve bereit stehen oder demontiert werden.

Die Gesamtzahl enthält im Falle einer Bandbreite die höchste Schätzung. Die Zahlen für Nordkorea sind unsicher und nicht in der Gesamtzahl enthalten. Die Zahlen sind gerundete Schätzungen.

Quellen und links

SIPRI Presseinformation, 18. Juni 2018: Modernization of nuclear weapons continues

SIPRI Jahrbuch

1-sicht 18. Dezember 2017:  Umsätze der Waffenproduzenten erstmals seit 2010 angestiegen

1-sicht 4. Mai 2017: Internationale Waffentransfers – höchster Anstieg seit 1990

1-sicht 29. Februar 2016: Internationale Waffentransfers – Trends

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lesen ist besser als Nuklearwaffen schießen
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1-sicht empfiehlt Lese-, Hör-, Sehstoff: Juni 2018

Lesestoff:
Falter Nr 24a/18

Sie schafften das!

Wo Integration in Österreich besonders gut funktioniert. Eine Reise durch die hilfsbereite Republik

Der Garten der Begegnung in Traiskirchen, das Cafe Namsa in Innsbruck (Namsa – so heißt Österreich auf Arabisch), der Kontaktchor im Ländle, bei dem Christen und Muslime gemeinsam ‚Give Peace a Chance‘ von John Lennon singen, Tea2Stay (statt Coffee2Go) in Pinkafeld.  4 von 28 ausgewählten und in der Falter-Beilage beschriebenen Initiativen, die von Hilfsbereitschaft und Integrationsbereitschaft erzählen.

Hier im E-Book über alle lesen: Sie schafften das!

hilfsbereite

 

 

hilfsbereite Menschen lesen Falter
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Transparenz und freie Rede als Motoren für fake news?

Als sich das Internet Ende des vorigen Jahrhunderts seinen Weg aus der militärischen in die zivile Welt bahnte, frohlockten Enthusiasten über die nun zu erwartende weltweite Entwicklung Richtung Demokratisierung,  Chancengleichheit, faire Märkte, die mit dem Zugang aller Menschen auf alle Daten – vollkommene Transparenz – möglich sein werde. Mittlerweile kann jeder und jede Nachrichten, Bilder, Geschichten, Videos im weltweiten Netz publizieren. Doch statt über mehr Informationen zu verfügen, stehen wir oft vor der Situation, Wahres von Falschem nicht auseinander halten zu können.

Stanley Fish, Jurist, Universitätsprofessor und Buchautor stellt die These auf, dass die Forderung nach vollkommener Transparenz und uneingeschränkter Redefreiheit an diesem Dilemma schuld sei. Den scheinbaren Widerspruch diskutiert er in seinem Beitrag ‚Transparency‘ is the Mother of Fake News in der New York Times vom 7. Mai 2018.

Darf man gegen Transparenz sein?

Die Apostel der freien Rede, so Fish, gingen davon aus, dass mehr davon die Bedingungen für die Menschen besser mache und dass es die Aufgabe der staatlichen Institutionen sei, für ein Mehr an freiem und frei zugänglichem Datenfluss zu sorgen. Aufgeklärten Menschen fällt es schwer, gegen Transparenz zu argumentieren. Fish verweist jedoch darauf, dass Daten erst dann zu Informationen werden, wenn sie interpretiert, in Zusammenhänge gesetzt werden. Rohe Daten sind aussagelos, weder gut noch schlecht.

Interpretieren, in Zusammenhänge setzen muss aber gelernt sein und bestimmten Regeln folgen. Im Journalismus etwa Check und Double-Check, die deutliche Unterscheidung von Bericht und Kommentar/Meinung. In der Wissenschaft Kontrollgruppen, Wiederholbarkeit von Experimenten. In der Justiz Prüfung von Beweisen, Aussagen etc. auf Stimmigkeit. Geschieht dies nicht, so Fish, erzählen wortmächtige Personen ihren Intentionen entsprechende Geschichten und fügen ‚Daten‘ so ein, dass die Geschichten scheinbar belegt werden. Das ist so ziemlich das Gegenteil von auf Daten basierenden Berichten und damit von Transparenz. Manipulationen und Täuschungen sind Tür und Tor geöffnet. Auch wenn einige Internetpropheten es nicht wahrhaben wollen, die Menschen sind von Motiven – nicht immer von edlen – getrieben. Propaganda, Übertreibung, Beleidigung und andere bekannte Ausformungen menschlicher Kommunikation werden nicht verschwinden, nur weil Daten unbeschränkt zur Verfügung stehen.

Fish hält den Dialog, das Diskutieren von Standpunkten für unerlässlich, um sich etwas wie Transparenz, Wahrheit anzunähern, allenfalls Lug und Trug (fake) die Oberhand gewinnen werden. Jenen, die daran glauben, dass die Welt bloß am unausgereiften Datenfluss, an einer unvollendeten Kommunikationsstruktur leide und deshalb staatliche Institutionen nötig habe, dass solche aber in einer vollkommen transparenten Welt hinfällig seien, schreibt Fish ins Stammbuch: „Das Misstrauen gegenüber Mechanismen, die auf gesellschaftlichen Übereinkünften und auf Autoritäten basieren, führt zur bizarren Schlussfolgerung, dass eine Behauptung glaubwürdiger wird, wenn sie keine institutionelle Quelle aufweist. In dieser Logik kann ein Stück Nachricht, dass ein Teenager irgendwo auf der Welt in seinen Blog tippt, als verlässlicher gelten, als die Nachricht eines seriösen Nachrichtenprofis.“

Quellen und links

New York Times, 7. Mai, 2018, Stanley Fish: ‚Transparency‘ Is the Mother of Fake News

Geschichte des Internets, wikipedia

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seriöse Zeitungen tragen zur Transparenz bei
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Vom Kyros-Zylinder zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte

Vom Kyros-Zylinder zur AEMR

Einen Überblick über die jahrhundertealte Geschichte von Menschenrechten vom Kyros-Zylinder (539 v. Chr.) bis zur Ausarbeitung der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ (1948 n. Chr.) gibt die Plattform United for Human Rights: Die Geschichte der Menschenrechte

Kyros-Zylinder
Kyros-Zylinder – gewissermaßen erstes Menschenrechtsdokument

Menschenrechte – Anlass, Ziele

Das Video von Amnesty International vermittelt in etwas mehr als 3 Minuten, was der Anlass für die Formulierung der Menschenrechte war und was deren Ziele sind:

Menschenrechte – Österreich

Für Österreich fasst das Bundesministerium für Europa, Integration, Äußeres (BMEIA) die Bedeutung und Umsetzung von Menschenrechten zusammen: Bedeutung der Menschenrechte

Menschenrechte – Deutschland

In Deutschland sind Menschenrechte im Grundgesetz verankert: Bundestag – Grundgesetz

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hier lesen wir nicht im Kyros-Zylinder
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My Personality – Persönlichkeitstests sammeln persönliche Daten

Sie wollen wissen, welches Tier Sie wären, wären Sie ein Tier? Oder welche Charaktereigenschaft Ihre hervorstechendste ist? Machen Sie mit bei einem Quiz auf Facebook. Sie werden erfahren, dass Sie zum Beispiel ein zitronengelber Falter wären. Oder Willensstärke Ihre Persönlichkeit auszeichnet. Die Entwickler der Quiz-App werden noch viel mehr über Sie erfahren, denn um zu der erhellenden Erkenntnis zu gelangen, ein zitronengelber Falter zu sein, geben Sie etliche persönliche Angaben preis und teilen die Erkenntnis Freundinnen und Freunden via social media mit. Vorausgesetzt, Sie nehmen den Quiz ernst. Was offensichtlich viele Menschen tun.

My Personality

My Personality war die erste Quiz-App, die auf diesem vergleichsweise einfachen Weg Persönlichkeitsdaten schürfte. Mussten Forscherinnen und Forscher, die das menschliche Verhalten untersuchten, in prä-social-media-Zeiten mühsam Menschen finden, die sich für Verhaltensforschung zur Verfügung stellten, liegen die Daten in der social-media-Welt gleichsam neben dem Weg. 2007 erkannte dies der damalige stellvertretende Direktor des Zentrums für Psychometrie an der Cambridge Universität, Michal Kosinksi. Er entwickelte My Personality und häufte mittlerweile Details von über 6 Millionen Facebook-Usern an. Andere Wissenschafter folgten. Zum Beispiel Alexandr Kogan, Psychologieprofessor an der Cambridge Universität. Er sammelte Daten. Und er verkaufte Daten von bis zu 87 Millionen Facebook-Usern an das Politikberatungsinstitut Cambridge Analytica, das ein Naheverhältins zum Wahlkampfteam von Donald Trump hatte und – so die Schlussfolgerung – das den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl 2016 massiv steuerte, indem dank detaillierter Kenntnis der einzelnen WählerInnen passgenaue individuelle Botschaften gesendet wurden (Mikrotargeting).

Im März 2018 deckten New York Times und Observer of London den Datenhandel auf. Seither sieht sich Cambridge Analytica mit Klagen überhäuft und hat die Geschäftstätigkeit eingestellt.

Scraper – automatisch Daten schürfen

Im Juli 2014 startete ein Team aus schwedischen und polnischen Forschern mittels Programm (scraper), Kommentare und Interaktionen von 160 öffentlichen Facebook-Seiten automatisch aufzuzeichnen. Im Mai 2016 verfügten sie über genügend Informationen, um das Verhalten von 386 Millionen Facebook-Mitgliedern zu kennen. Einer der Forscher dieses Teams, Fredrik Erlandsson, Lektor am Blekinge Technologie-Institut, zeigt sich besorgt, wie leicht das Sammeln der Daten mittels scraper möglich ist. Das Team veröffentlichte seine Erfahrungen und Einschätzungen im Dezember 2017 im Journal Entropy. Die Resonanz war mäßig. Nach Bekanntwerden des Datenhandels zwischen Universität und Politikberatungsinstitut im März 2018 verzeichnete Erlandsson gesteigertes Interesse.

Es ist davon auszugehen, dass im vergangenen Jahrzehnt zahllose Forschungsgruppen, Doktoranden, aber auch Meinungsforscher und Werber Persönlichkeitsdaten via social media geschürft haben. Selbst wenn Forscher höchst seriös an der Anonymisierung arbeiten, wird es immer undichte Stellen geben, konstatiert Rasmus Kleis Nielsen, Professor für politische Kommunikation an der Oxford Universität. Zudem: Je mehr Daten angehäuft wurden, desto leichter ist es, einen Datensatz mit einem zweiten zu verbinden und das Individuum zu identifizieren. Bereits 2015 veröffentlichte das Journal Science, dass mit nur 4 zufälligen Informationen aus social media 90% der Online-Käufe mittels Kreditkarte der Person zugeordnet werden konnten.

Forscher sitzen auf Datenbergen

Times überprüfte zahlreiche Datensets, die von Forschungseinrichtungen angehäuft wurden. Zum Beispiel:

2008: Deutsche AkademikerInnen sammelten Daten von 60.000 Facebook-Usern. Die Fragestellung lautete: Wie verändern sich online-Freundschaften im Laufe der Zeit?

2013: Eine norwegische Forschergruppe fokussierte auf das gesellschaftliche Engagement von 21 Millionen Facebook-Nutzern auf 4 Kontinenten.

2015 – 2017: Dänische und neuseeländische ForscherInnen untersuchten 1,3 Millionen Menschen in Dänemark. Die Fragestellung lautete: Lässt sich das Wahlverhalten einer Person, die eine politische Partei auf Facebook liked, vorhersagen?

Privatsphäre auf Facebook?

Zwar gab sich Facebook eine Richtlinie, die das Nutzen von scraper-Programmen untersagt. Doch gegenüber Forschungseinrichtungen kam diese nicht zur Anwendung. 2014 limitierte das Netzwerk den Zugang von Apps fremder Anbieter. Nach der Veröffentlichung des Datenhandels ermöglicht das Netzwerk den Usern mehr Kontrolle über die Privatsphäre-Einstellungen. Auch der Zugang für ForscherInnen soll eingeschränkt werden. Dies evoziert wiederum Kritik. Rasmus Kleis Nielsen sieht die Gefahr der Asymmetrie. ForscherInnen innerhalb des Netzwerkes akkumulieren Informationen, die unabhängigen Universitäten verwehrt bleiben.

Es bleibt die Frage: Was passiert mit den persönlichen Informationen und wie und von wem kann der Umgang geregelt werden?

Michal Kosinski, Entwickler von My Personality: „Was Kogan getan hat, war falsch. Aber was Kogan getan hat, tun andere in größerem Ausmaß. Sie werden nur nicht erwischt.“

Quellen und links

New York Times, Scholars Have Data on Millions of Facebook Users. Who’s Guarding it?, Sheera Frenkel, 9. Mai 2018

über Cambridge Analytica auf wikipedia

Journal Entropy, Do we really need to catch them all?, Fredrik Erlandsson, Piotr Brodka, Martin Boldt, Henric Johnson, Dezember 2017

1-sicht,  Der Milliardär Robert Mercer und sein Propagandanetzwerk

1-sicht, Facebook: Wenn user sich für Kunden halten

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lesen ist besser, als bei My Personality mitmachen
1-sicht meint: Lesen nährt den Verstand

1-sicht empfiehlt Lese-, Hör-, Sehstoff: April 2018

Das Internet, zwar zu militärischen Zwecken entwickelt, versprach, als es sich von der Welt der Militärs emanzipiert hatte, Transparenz, vollständige Information für alle und eine demokratischere Gesellschaft weltweit. Mittlerweile ist die Nachrichtenlage im Netz mehr als undurchsichtig und  Kriminalität hat sich von der realen Welt in den Cyberspace verlagert. Marc Goodman, der einer der profiliertesten Experten in Fragen der Cybersicherheit ist und als solcher für das FBI arbeitet, gibt Einblicke:

Lesestoff:
Global Hack
Marc Goodman

Global Hack
Hanserverlag: Global Hack

 

Marc Goodman: TED-Konferenz 

 

April Empfehlung
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