Klimawandel potenziert Konflikte

Die uns alle erschütternden Terroranschläge in Paris am 13.11.2015 überschatten die im Vorfeld mit großen Hoffnungen verbundene 21. Klimakonferenz, die vom 30. November bis 11. Dezember in Paris stattfinden wird. Plötzlich liegen Terrorangst und Klimaveränderung unmittelbar beieinander. Der Horror vor Terror ist größer als die Sorge vor den Auswirkungen des Klimawandels.

Klimawandel ist Sicherheitsrisiko

Dass der Klimawandel ein globales Sicherheitsrisiko darstellt, legen ExpertInnen seit langem immer wieder dar. Zuletzt nahm unter anderem Benjamin Pohl von der Denkfabrik adelphi im Interview mit Deutschlandfunk (DLF) dazu Stellung.

Es gab in den Medien in den letzten Monaten eine ziemliche Debatte zu Syrien, inwiefern der Bürgerkrieg in Syrien durch den Klimawandel mit angetrieben wurde, und da ist relativ deutlich, dass es im Vorfeld zu den Demonstrationen eine langjährige Dürre gab, die dazu beigetragen hat, dass aus vielen ländlichen Gegenden die Leute ihre Lebensgrundlage verloren haben und in die Städte umgesiedelt sind, wo wiederum die Reaktionen der syrischen Regierung oder das, was sie getan haben, völlig unzureichend war dafür, um diesen Menschen ein würdiges Leben zu ermöglichen, und das hat sicherlich eine Grundlage mit geschaffen dafür, dass dieser Konflikt so eskaliert ist. Das soll keinesfalls heißen, dass der syrische Bürgerkrieg in erster Linie ein Klimakrieg wäre. Der Begriff ist sicherlich ein irreführender.

Der syrische Bürgerkrieg ist in erster Linie ein Konflikt um das autoritäre Regime von Assad, das in menschenverachtender Weise gegen seine eigene Bevölkerung vorgeht. Aber diese strukturellen Grundlagen sollten dabei nicht aus dem Blickfeld geraten, und die sind zum einen sicherlich durch den Klimawandel verursacht, zum anderen natürlich auch durch jahrzehntelanges Missmanagement der Wasservorräte des Landes, dass man zugelassen hat, dass jenseits der nachhaltigen Möglichkeiten Wasser gefördert wurde, und irgendwann ist es dann alle und dann fehlt den Leuten die Lebensgrundlage.

Pohl mahnt ein, angesichts der sich permanent in die Nachrichten drängenden Ereignisse die strukturellen Aufgaben im Rahmen des Klimawandels nicht aus dem Blick zu verlieren.

Sozialer Unfriede durch Dürre und andere Umweltphänomene

Auch Achim Steiner, Chef des UNO-Umweltprogramms ist sicher, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und den Konflikten in der Welt gibt. Ebenfalls in einem DLF-Interview sagt er, Phänomene wie Dürre oder steigende Meeresspiegel trügen zu sozialem Unfrieden bei.

Es liegt vor allem in den Zusammenhängen, die wir, glaube ich, uns immer wieder vor Augen führen müssen. Es ist ja nicht so, dass Terror ein isoliertes Phänomen ist und dass auch der Klimawandel in sich selbst sozusagen Terror oder Konflikte schürt. Aber was wir heute genau wissen ist, dass in unseren Gesellschaften durch Klimawandel Umstände entstehen und auch Entwicklungen stattfinden werden, die den Konflikt noch eher potenzieren, den Wettbewerb um Ressourcen, dass Menschen zu Flüchtlingen werden, und gerade auch an dem Beispiel Syriens, das ja sehr tragisch verdeutlicht, wie die Dürreperiode über vier Jahre dazu führte, dass über eine Million Menschen aus den ländlichen Regionen fliehen musste und dadurch den sozialen Unfrieden erst einmal noch geschürt hat, das sind Beispiele, die wir uns mit nicht sehr viel Fantasie auch in der Zukunft sehr vor Augen führen müssen, wenn Millionen von Menschen durch Dürreperioden, durch den Klimawandel, auch zum Beispiel Meeresspiegelanstieg, Umsiedlung in den Küstenzonen zu Situationen führen, wo unsere Gesellschaften unter Stress geraten. Und da ist natürlich der Konflikt vorprogrammiert und damit ja, ist der Zusammenhang Klimawandel-Konfliktpotenzial, der auch oft in Bürgerkriege ausarten kann, sicherlich gegeben und bereits durch viele Beispiele zumindest im Ansatz verdeutlicht.

Risiken des Klimawandels

NewClimateForPeace_Seven compound climate-fragility risks -threaten states and societies

Links

Deutschlandfunk 17.11.2015: Globale Erwärmung als Sicherheitsrisiko

adelphi

Deutschlandfunk 18.11.2015: „Das Konfliktpotenzial des Klimawandels ist gegeben“

Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNEP

A new climate for Peace

1-sicht findet: Lesen bildet.
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